30 Jahre Tag der Erde

Gestaltung unter den 3 Brücken von „KolorCubes“ – Entwurf von Fernando Leon

1990 – 2020

30 Jahre Tag der Erde in Kassel

Rück- und Ausblick

 


auch als PDF → Tag der Erde 2020 (online)

Grund zum Feiern

Das Jahr 2020 ist im Grunde ein doppeltes Jubiläum: Der erstmals im Jahr 1970 in einigen Großstädten der USA und inzwischen international jeweils am 22. April gefeierte „Earth-Day“ feiert sein 50-jähriges Jubiläum. In Kassel, wo der erste Tag der Erde im Jahr 1990 begangen wurde, hat das Fest seinen 30. Jahrestag.

Wie alles anfing

Die Initiative kam damals von einer kleinen Gruppe engagierter Menschen im Umfeld einer lokalen „Greenpeace-Gruppe“. 28 Stände von Gruppen und Initiativen aus dem Umwelt- und Sozialbereich waren auf der zwischen Heinrich-Heine-Straße und Heckerstraße und für den Fahrzeugverkehr gesperrten Frankfurter Straße vertreten. Aus diesem kleinen und mutigen Anfang ist über die Jahre ein großes Umwelt- und Kulturfest, eine feste „Institution“ in Kassel geworden.

Auch wenn wir als Veranstalter dieses Jubiläum – entgegen unseren Planungen – unter den gegeben Umständen nicht angemessen feiern können, wollen wir es zum Anlass nehmen, einen Blick auf die Entwicklung dieser 30 Jahre und einen kurzen Ausblick in die Zukunft zu werfen.

Informationen zu den Standorten

Eine Liste mit allen Straßen und Stadtteilen, in denen der Tag der Erde seit 1990 gefeiert wurde, finden Sie hier unter Historie.

Zu den einzelnen Jahren und Orten können Sie dort jeweils Zeitungsausschnitte, Veranstaltungsprogramme und Fotos finden.

Kontinuität und Wandel

Die Zeit verändert manches, und so zeigt auch die Entwicklung vom Tag der Erde in den 30 Jahren sowohl Kontinuitäten als auch Veränderungen.

Was gleich geblieben ist:

  • Zentrales Anliegen und Ziel des Tag der Erde war und ist es, im Rahmen eines Umwelt- und Kulturfestes die Menschen in Kassel und der Region über wichtige Umweltthemen zu informieren, für nachhaltige Lebensweisen und Wirtschaftsformen zu werben, Möglichkeiten und Alternativen für nachhaltiges, zukunftsfähiges Leben und Wirtschaften aufzuzeigen.

  • Zur Tradition des Festes gehört es, dass eine normalerweise von starkem Verkehr dominierte Straße für diesen einen Sonntag für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt und damit als Lebensraum für Menschen, als Ort zum Feiern, Flanieren, Spielen, Musizieren, Sich-Begegnen und Diskutieren erlebbar wird.

  • Dadurch, dass der Tag jedes Jahr in einem anderen Stadtteil stattfindet, rückt er unterschiedliche Stadtteile in das Bewusstsein der Stadtöffentlichkeit und bietet dem jeweiligen Stadtteil die Möglichkeit, Gastgeber für die zahlreichen Besucher*innen zu sein und sich mit seinem eigenen Charakter zu zeigen.

  • Seit Beginn bietet der Tag der Erde der ganzen Bandbreite und wachsenden Zahl an lokalen und regionalen Verbänden, Gruppen und Initiativen aus dem Umwelt-, Sozial- und Kulturbereich die Möglichkeit, sich mit ihren Anliegen und Aktivitäten einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich auch untereinander zu vernetzen.

  • Bereits bei der Auswahl der Ausstellenden werden von uns als Veranstalter Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt: bevorzugt werden Ausstellende und Anbietende aus der Region, als Obergrenze wird eine Anreisestrecke von etwa 100 km angesetzt. Zugelassen wird der Verkauf von Produkten, für die es eine sinnvolle und praktische Verwendung im Alltag gibt, und die im Hinblick auf verwendeten Ausgangsstoffe sowie die Arbeitsbedingungen aller an der Herstellung der Waren Beteiligten den Anliegen und Zielen des Tag der Erde entsprechen. An dieser Stelle sind wir dabei, die Anforderungen an die Ausstellenden im Hinblick auf Nachweise für verwendete Stoffe, für faire Bedingungen in der gesamten Herstellungs- und Lieferkette der Waren nach und nach in Richtung Nachhaltigkeit weiter zu präzisieren.

  • Im gastronomischen Bereich gilt für alle Anbieter die Vorgabe zur Verwendung von Lebensmitteln und Produkten aus überwiegend ökologischer und fair gehandelter Erzeugung. Zudem sollen Maßnahmen zur Vermeidung von Einweg-Geschirr und Reduzierung von Abfällen ergriffen werden.

  • Die mit der Ausrichtung eines großen Festes zwangsläufig verbundenen Energie- und Ressourcenverbräuche und andere belastende Umweltwirkungen sollen auf ein unvermeidbares Mindestmaß begrenzt werden. Mit diesem Ziel gibt es seit Jahren eine Kooperation mit den Stadtreinigern.

Was sich verändert hat:

  • Das Fest ist im Lauf der Jahre größer, bunter und vielfältiger geworden. Von 28 Ständen im Jahr 1990 ist die Anzahl von etwa 70 – 120 im Laufe der 1990er Jahre auf etwa 200 Ausstellende in den letzten 8 Jahren angewachsen.

  • Den Veranstaltern ging es in der Anfangszeit vor allem darum, die damals drängenden Themen wie z.B. Sonnenenergie, Ausstieg aus der Atomwirtschaft, Energiewende, ökologische Landwirtschaft erst mal aus einem Nischendasein in die breitere Öffentlichkeit zu tragen. So sind diese Themen heute im Grunde in der Öffentlichkeit angekommen. Der Atomausstieg ist beschlossen, erneuerbare Energien decken große Teile unseres Energiebedarfs, die ökologische Landwirtschaft und eine darauf basierende Ernährung werden als „ernst zu nehmende“ Themen diskutiert. Die Art, über diese Themen zu informieren und zu sprechen, hat sich verändert.

  • Man könnte sagen, einige der „großen“ Themen aus der Anfangszeit sind heute in eine – durchaus noch umkämpfte – „Verbreitungs- und Umsetzungsphase“ gekommen. Über eine Diskussion um die grundlegenden Ziele hinaus geht es heute verstärkt auch um die weitere Verbreitung praktischer Lösungen. Entsprechend besteht die deutlich gewachsene Zahl an Ausstellenden auf dem Tag der Erde inzwischen auch aus einer erfreulich großen Zahl an Anbietenden von ökologischen Produkten und Dienstleistungen: (Elektro-)Fahrräder, Produkte zur solaren Stromerzeugung, ökologische Baustoffe, ökologisch und regional erzeugte Lebensmittel und Pflanzen, Naturtextilien und -Kosmetik, Energieberatung, Car-sharing-Angebote und vieles mehr.

  • Wurde der Tag der Erde bis etwa Ende der 1990er Jahre ausschließlich durch ehrenamtliche Arbeit einer unterschiedlich großen Gruppe Engagierter geplant und organisiert, so war die Vorbereitung, Organisation und Betreuung ab einer dann erreichten Größenordnung rein ehrenamtlich nicht mehr leistbar. Ab dem Jahr 2000 ging die Verantwortung für die Organisation des Festes an den neu gegründeten Verein Umwelthaus Kassel über, der den Tag der Erde bis heute verantwortlich organisiert. Dessen Ehrenamtliche wurden in der inzwischen recht aufwändigen praktischen Vorbereitung und Organisation bis zum Jahr 2018 auch durch eine Mitarbeiterin des Umwelt- und Gartenamtes des Stadt Kassel unterstützt. Seit 2019 arbeiten wir mit einem Büro für Veranstaltungsmanagement zusammen.

  • Die Stadt Kassel, die dem Fest in den Anfangsjahren kritisch bis ablehnend gegenüberstand und für die erforderlichen Straßensperrungen hohe Gebühren erheben wollte, ist im Lauf der Jahre zu einem wichtigen Unterstützer des Festes geworden.

  • Seit dem Jahr 2017 ist das Speiseangebot auf dem Tag der Erde fleischlos bzw. vegetarisch. Zwar gab es bei der Vorbereitung des Festes im Stadtteil Wolfsanger einen praktischen Anstoß, nämlich aus Platzgründen die Anzahl der Ausstellenden deutlich zu begrenzen. Die Entscheidung zum Verzicht auf ein Angebot fleischhaltiger Speisen war jedoch eindeutig inhaltlich motiviert: Es ist inzwischen durch eine Vielzahl an Studien nachgewiesen, dass eine fleischarme oder fleischfreie Ernährung aus Gründen des Ressourcen- und Energieverbrauchs, des Klimaschutzes und auch des Tierwohls wesentlich günstiger ist als die heute verbreitete, stark fleischbasierte Ernährungsweise. Hier einen entsprechenden Denkanstoß zu geben entspricht aus unserer Sicht als Veranstalter sehr dem Anliegen des Tag der Erde.

  • Die vom Verein für die Vorbereitung und Durchführung des Festes getragenen Kosten haben sich im Zeitraum von 2006 bis 2018 etwa verdreifacht. Wesentlich verursacht sind die Kostensteigerungen durch steigende Sicherheitsanforderungen und Kosten für die Bereitstellung der Infrastruktur (Wasser, Strom, etc.) Um diese Steigerungen aufzufangen sahen wir als Veranstalter uns gezwungen, die Standgebühren für die Ausstellenden zu erhöhen – obwohl wir uns darüber klar sind, dass dies für manche der Ausstellenden eine Härte bedeutet. Im Jahr 2019 haben wir erstmals die Besucher*innen um Spenden gebeten.

Wie weiter ?

  • Erst mal: wir sind dankbar für die Unterstützung und Ermutigung, die wir im Hinblick auf unser Anliegen und bei der Durchführung des Tag der Erde seit Jahren von der großen Zahl der Ausstellenden erfahren. Wir sind dankbar für die ebenfalls inzwischen jahrelange praktische und auch finanzielle Unterstützung durch die Stadt Kassel und danken auch einer Reihe von Sponsoren und Spendern.

  • Ein wirkliches Problem für die Veranstaltung und damit auch die Zukunft des Tag der Erde sind inzwischen die seit mehreren Jahren immer weiter anwachsenden Sicherheitsanforderungen an die praktische Durchführung des Festes. Sie stellen uns als Veranstalter nicht nur vor kaum noch zu bewältigende finanzielle, organisatorische und logistische Herausforderungen, sie widersprechen im Grunde auch dem Geist und Anliegen des Festes. Über einen angemessenen und vertretbaren Umgang mit dieser Situation halten wir in naher Zukunft ein Gespräch mit allen an der Vorbereitung, Durchführung und Genehmigung zu beteiligenden Behörden und auch eine öffentliche Diskussion erforderlich.

  • Auch wenn sich manches in Kassel, in unserer Gesellschaft und der Welt verändert hat: Die Anliegen des Tag der Erde sind heute so aktuell und dringlich wie vor 30 Jahren. Gerade auch die gegenwärtige Krise zeigt uns – neben manchem Anderem – dass sich noch vieles verändern muss, wenn es für uns, für alle Menschen und unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft geben soll. Die Gemeinschaft der Vereinten Nationen hat bereits im Jahr 2005 17 Ziele für eine weltweit nachhaltige Entwicklung beschlossen. Die Umsetzung solcher Ziele auf den unterschiedlichen Ebenen bedarf der Unterstützung möglichst vieler Menschen. Sie darüber in zeitgemäßer Form zu informieren, zu interessieren und auch zu begeistern wird weiterhin ein zentrales Anliegen des Tag der Erde sein.
    Ideen dafür gibt es und Anregungen nehmen wir gerne entgegen.

Text: Hubert Grundler

 

 

Auf dem Bild: KolorCubes – Dustin Schenk, Sarah Menzel und Stefan Gebhardt, Hubert Grundler (Vorsitzender UmweltHaus Kassel), Hans Roth (Ortsvorsteher Rothenditmold), Elisabeth König (Ortsvorsteherin Kirchditmold), Susanne Völker (Kulturdezernentin der Stadt Kassel), Christof Nolda (Dezernent für Verkehr, Umwelt, Stadtentwicklung und Bauen der Stadt Kassel)

Auf dem Bild: Alexander Büttner und Matthias Schäpers (Stellvtr. Vorsitzende UmweltHaus Kassel), Hubert Grundler (Vorsitzender UmweltHaus Kassel), Ute und Daniel Döbel (Vorstand UmweltHaus Kassel), Kristina Gruber und Martina Keller (Keller & Gruber GbR)

   

Es ist fertig – das 40 Meter lange Wandbild von KolorCubes Kassel, kreiert von Fernando Leon alias Feleon! Der Crossover-Illustrator und Künstler aus Arnheim ist bekannt für seine zumeist irrealen und farbintensiven Szenarien.

Dieses Wandbild ist das Auftragsprojekt der Public Art Gallery Rothenditmold: „Drei Brücken“ das Erste von sechs bis acht Graffitiprojekten in dem Stadtteil, für welches heute der ideele und farbliche Grundstein gelegt wurde. Dieses erste Teilprojekt sowie das Gesamtprojekt werden aus Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ finanziert und vom Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz sowie von dem Kulturamt Kassel begleitet.

Am 26. April 2020 hätte eigentlich der Tag der Erde in der Wolfhager Straße und an den Drei Brücken stattgefunden. Durch die anhaltende Pandemie konnte dieser leider nicht stattfinden. Der Verein UmweltHaus Kassel, das Stadtteilbüro Rothenditmold, das Kulturamt, das Bauamt und KolorCubes haben sich entschieden, ein Kunstwerk als Zeichen und zum 30-jährigen Jubiläum des „Tag der Erde“ ein Werk für den Ort zu erschaffen.

 

 

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